Fingerstyle: Unser Sandmännchen

Zufällig sah ich eine niedliche Geschichte für Kinder, noch aus der vordigitalen Zeit - und danach kam der Abspann mit dem Lied vom Sandmann.

 

Mitten in der Nacht? Ungewöhnlich: Es muss sich wohl um eine Art Retro-Kultur Sendung gehandelt haben.

Seufz!

 

Auch das Lied ist ja sehr süß, und der Gesang geht direkt zu Herzen. Es ist intelligent gemacht, im 3/4 Takt gehalten und das Motiv am Ende um 1 Viertel verkürzt. Jedenfalls überschneiden sich Gesang- und Intro Melodie. Als der zweite Teil des Motivs zu hören war, traute ich meinen Ohren nicht:  Es war sehr schön orchestriert und der Arrangeur (vermutlich der Komponist selbst) benutzte irgendwelche b5 Akkorde chromatisch abwärts. Ich konnte nicht auf Anhieb nachvollziehen, wie die Melodie an der Stelle harmonisiert war.

 

Warum war mir das jetzt erst aufgefallen?

Ich kannte das Lied in dieser Version gar nicht ....

 

Wohl etwa weil es von Experten als zu kompliziert eingestuft wurde? Ich finde, sie hatten unrecht. Womöglich waren ihnen diese 5/4 zu asymmetrisch, die Akkorde zu jazzig, aber jedes Kind, das ich kenne, kann dieses Lied nachsingen, wenn, dann das.

 

Ich war jedenfalls entschlossen, die Akkorde heraus zu hören und neugierig, ob man es wohl im Fingerstyle auf der Gitarre spielen kann. Aus dem Gedächtnis konnte ich es nicht, zumindest nicht die schönen b5 Akkorde.

 

Schon das Lied zu finden, entpuppte sich als Geduldsprobe, denn bei der Mehrzahl der Sandmännchen- Melodie fand sich auf youtube lediglich die vereinfachte (westliche) Version ohne b5 Akkorde. Wie finden?  Die Orchesterversion muss wohl aus DDR Zeiten sein.

 

Aber gut, da war sie! ( nach ungefähr 50 Fehl-schlägen) Und ja, man kann es auf der Gitarre spielen. Ich brauchte ein paar Versuche, um eine spielbare Tonart für Gitarre festzulegen, dabei ist sie wenig spektakulär: C Dur! - Natürlich hätte ich nach einer Gitarrenversion suchen können und wäre auch fündig geworden! Es gibt zB noch ein gutes Gitarrenarrangement von Michael Behm.

 

 b/5 Akkorde, was ist das überhaupt? Kurz: es sind eben Akkorde, die eine verminderte Quinte haben. Nichts weiter. Es gibt sie als Moll als auch Dur Version. Eine kleine Septime ist meistens auch noch dabei. Also: 7/b5

 

Der m/7/b5 ( moll-sieben-be-fünf !) wird auch halbvermindert genannt und hat einen durchgestrichenen Kreis als Akkordsymbol. Er erzeugt erst in Wechselwirkung mit anderen seine logische Funktion, die jeder im Grunde kennt. Eben nicht nur im Jazz verwendet, wie man hier sehen kann.

 

Aber das geht schon zu sehr ins Detail -

Also gut - hier die Noten mit Tabulatur. (bitte auf die Noten klicken )

 

Es kommen Umlagen des ersten Fingers vor, die aber mit 1 markiert sind. Bitte zu berücksichtigen, dass nicht alle Fingersätze eingetragen sind. Daher Vorsicht, nicht, dass sich ungeeignete Griffe ergeben.

 

Die Akkorddiagramme helfen dabei, die Griffbilder auf einen Blick zu erkennen. Takt 9:

 

Hmoll7/b5 muss man drauf haben, nicht schwer. Dann denselben Griff einen Halbton tiefer rutschen, der kleine Finger bleibt aber wo er war:

 

Bb7/b5. Etwas schwer, Daumen weiter runter nehmen.

 

Dann kommt in Takt 10 ein Am.

 

Darauf in Takt 11 wieder ein 7/b5, diesmal mit Bass auf der E Saite:

Ab7/b5 . Mittelfinger im Bass.

 

Es ist eigentlich ein Standard Akkord, aber gewöhnungsbedürftig. Anfangs nicht gleich versuchen, ihn auf einmal zu greifen als wäre es C Dur.  Dieser Kamerad hat es in sich.

Die Finger in der Reihenfolge aufzulegen, eben so wie die Achtel hintereinander notiert sind ist wohl besser (liegen-lassen)

 

Hinweis: das hier verwendete Programm zum Erstellen von Tabulatur und Noten kennt übrigens kein H... Zudem habe ich die Noten nicht zweistimmig angelegt, um die Übersichtlichkeit zu wahren. Daher, wie immer:

➡  Alle Noten so lange wie möglich klingen lassen!

 

Auch habe ich in der Intro auf das Einfügen eines 2/4 Takts verzichtet, dadurch ergibt sich eine Verschiebung, durch die zwischen Intro und Liedanfang eine kurze Pause entsteht. (halbe Note am Ende der Intro Takt 4) - bei der Wiederholung der Intro am Schluss habe ich stattdessen den 2/4 rechtzeitig eingeschoben.

Man könnte einige Stellen sicher noch genauer erfassen, das Orchester deutlicher abbilden, habe mich aber für ein möglichst spielbares Arrangement entschieden. So habe ich auch die eingangs erwähnte Überschneidung von Gesang- und Intro Melodie nicht berücksichtigt.

 

Schwierigkeitsgrad : mittel bis schwer

 

Ich werde demnächst entweder eine Audio oder Video Aufnahme dazu hier einstellen.

 

 

 

 

 

 

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